



Gewebeerinnerung
Wie kann
es sein, dass sich körpereigenes Gewebe erinnert ?
Zunächst eine kleine Einführung über die "Faszien",
das ist Bindegewebe, wie der Name sagt, verbindet dieses zarte Gewebe alles
miteinander. In der CranioSacralen Behandlung geht es hauptsächlich darum.
Es ist dieses Gewebe, das die Verspnnung zeigt und bei Entspannung wohltut.

Elastin
hat die Eigenschaft, sich sehr weit ausdehnen zu können, wenn das Collagen
es ihm vorgibt, "erinnert" sich jedoch an seine ursprüngliche
Form, an seinen ursprünglichen entspannten Zustand. Das ist die eigentliche
"Gewebeerinnerung".
Wir Menschen spannen und lösen ständig, bei jeder Bewegung, auch
unbewusst (z. B. Darmbewegungen). Wird Elastin immer wieder in seinen Ursprungszustand
zurückgeführt (belassen), im Schlaf etwa, dann fühlen wir uns
gesund. Hält ein Spannungszustand jedoch unnatürlich lange an, z.B.
durch langes Am-Computer-Sitzen, oder vielleicht bei Aufregung und Angst,
dann "vergisst" das Elastin im Gewebe seine ursprüngliche Form.
CranioSacrale
Behandlung "erinnert" durch die sanfte Berührung und das
"Mitgehen" wieder an den ursprünglichen entspannten Zustand
und so sind tiefe Lösungen möglich. Durch die "Erinnerung"
des Gewebes wird auch oft eine Erinnerung an konkrete Situationen ausgelöst,
die diese Spannung verursacht haben (weiter unten über die Tiefenbehandlung).
Dadurch können über den Körper durch die CranioSacrale Behandlung
sehr tiefe seelische Blockaden nachhaltig gelöst werden. Gelingt eine
vollständige tiefe Lösung über den Körper, kehren die
Beschwerden nicht mehr wieder.
Über
den Körper
in die Tiefe
der Seele
Wenn der craniosacrale Rhythmus prinzipiell
stetig spürbar bleibt, nennt man das eine strukturelle
Behandlung. So werden Schmerzen erleichtert, zum
Beispiel bei Wirbeln, Gelenken, Schädel oder Kiefer.
Setzt der craniosacrale Rhythmus bei
der Berührung
spontan aus, wird es möglich, noch tiefer in die
Gewebeerinnerung hineinzudringen. Alte Traumata
sitzen dann in diesen dauerverspannten Körperzonen.
Man nennt das SomatoEmotionale Entspannung
(Somato Emotional Release). Bei längerer Berührung
dieser Region kann es zur Lösung dieser Speicherung kommen. Dabei entsteht
ein"Prozeß". Solange dieser Prozeß andauert, setzt der
CranioSacrale Rhythmus am ganzen Körper aus. Dabei werden längst
verschüttet geglaubte Erinnerungen wach. Manchmal reagiert der/die Behandelte
mit einer tiefen schlafähnlichen Entspannung und die Erinnerung bleibt
unbewußt, was die Tiefenwirkung jedoch nicht beeinträchtigt.
Oft lösen sich Gefühle, die dann aus der Tiefe ausbrechen und sich zum Beispiel in Weinen, Schütteln oder Wütendsein bemerkbar machen. Wenn es zu einem Gespräch kommt, geht es in der Regel vom Klienten aus, der Therapeut beschränkt sich auf wenige Sätze oder Fragen, die darauf abzielen, daß das Grundthema nicht verlassen wird. Ob man beim Thema ist oder nicht, läßt sich am Körper erspüren.
Das Ende des Prozesses wird als Wiedereinsetzen des CranioSacralen Rhythmus erspürt. Geschieht dies deutlich und klar, dann hat beim Behandelten eine Erkenntnis eingesetzt, die sich in seinem täglichen Leben spürbar erleichternd auswirkt. Wird der Prozeß zu einem befriedigenden Abschluss geführt, kommt es zu einer Befreiung und Erleichterung. Ein wirksamer SomatoEmotional Release verändert das Leben und die Einstellung eines Menschen völlig und führt zu tiefgreifenden Erkenntnissen, die im täglichen Leben eine ganz neue Handlungsbreite eröffnen.
Eine behinderliche Verspannung/Verhaltensweise kann zum Beispiel sein: "Ich getraue mich einer Autoritätsperson nicht zu widersprechen". Findet der Therapeut die dazugehörende körperliche Blockade und gelingt die Lösung/Entspannung, so ist ab nun der Person der Widerspruch möglich, aber sie muß es nicht tun. Je nach Situation kann abgewogen werden, welche Reaktion nun gescheit und sinnvoll ist. Die gesamte Bandbreite der Reaktionsmöglichkeiten stehen nun zur Verfügung, vorher war diese Handlingsmöglichkeit versperrt.
Fallbeispiele
Aus meinem persönlichen Erleben
Zu jener Zeit war ich ein sehr angepasster
Mensch, wollte es gerne allen recht machen, der Erfolg war aber leider sehr
marginal. Zwei Kolleginnen/Freundinnen arbeiteten damals mit mir (siehe Bild
oben). Die erste Sitzung begann ziemlich bald mit einer Embryonal-Stellung
und ich fühlte mich so eng - so eng. Es war offensichtlich eine Körper-Erinnerung
aus der Zeit im Mutterleib.
Bei der zweiten Sitzung war die Ausgangsstellung die gleiche, aber mir kam
irgendwie die Erkenntnis, ich wollte so gerne mit meiner Mutter in Kommunikation
treten. Die Kommunikationsform, die ich gerne angewendet hätte (als Embryo
im Mutterleib), wäre so etwas wie ein Gespräch von Herz zu Herz
gewesen, ein Gespräch ohne Worte, aber mit viel Herzensgefühl. Offenbar
habe ich diese Gesprächsform aus dem Bereich "Abrahams Wurstkessel"
mitgenommen. Jedenfalls hatte ich das ärgerliche "enge" Gefühl,
da kommt nichts zurück, da werde ich nicht verstanden. Da habe ich mir
sozusagen aus Ärger "den Kopf an der Gebärmutter" angestoßen.
Zum besseren Verständnis: meine Mutter war eine gute Mutter, sie hat
ihr Bestes getan. Sie hatte jedoch eine schlimme Kindheit, schlimme Kriegserlebnisse,
war dann Kriegswitwe, wünschte sich durchaus noch ein Kind - ich war
wirklich ein Wunschkind - aber sie konnte so ein Herzensgespräch nicht
führen, ihr Herz war da nicht offen genug. Das hat mich so geärgert,
das tat bei der Sitzung richtig körperlich weh.
Die dritte Sitzung verlief dann über in das körperliche Wiedererleben
der Geburt. Ich war dann "draußen". Und dann (man ist in so
einem tiefen Wiedererleben, dass einem die Gedanken sehr wohl ganz bewusst
sind) wurde mir plötzlich klar, diese Art der "Herzenskommunikation"
kennt da niemand, das wird mir nicht viel helfen. Meine persönliche Reaktion
auf diesen Umstand war: Vergessen! Vergiss das, lerne einfach, wie es die
anderen machen und vergiss diese dir eigene Fähigkeit.
Durch diese drei Sitzungen war aber etwas aus der Vergessenheit gerettet.
Ich erinnerte mich auch noch an andere Grundgefühle, die bis dahin so
verdrängt waren. Und mir war plötzlich klar: Mein ganzes Leben habe
ich immer nur gemacht, was die anderen machen. In der Familie hab ich mich
total angepasst, schwierig wurde es, als ich in die Schule kam. Da war eine
Lehrerin und 30 Kinder, jeder hat es etwas anders gemacht, wonach sollte ich
mich da richten? Ich entschied mich für eine totale Schüchternheit,
bevor ich nicht genau weiß, "wie man´s macht", sag ich
lieber gar nichts.
Wenn mir jemand gesagt hätte. "Du lebst ja gar nicht dich selbst",
hätte ich zur Antwort gegeben: "Doch na klar, wen soll ich denn
sonst leben ?" Aber heute weiß ich, diese Aussage "Du lebst
ja gar nicht dich selbst" wäre sehr wohl berechtigt gewesen. Heute
kann ich Gruppen von Menschen richtig führen (wäre früher für
mich undenkbar gewesen), Vorträge halten und bewege mich insgesamt sicher.
Ich gehe einfach den Weg, den mir mein Herzensgefühl zeigt, ob das nun
anderen Menschen passt oder nicht. Erstaunlicherweise passt es den meisten
aber ganz anders, als das früher in meiner "angepassten" Rolle
denkbar war.
Es gibt aber bei ähnlichen Grund-Konstellationen
auch ganz andere Gegenreaktionen, andere Grundmuster.: Eine Klientin hatte
ähnlich geartete Geburtserlebnisse bei der CranioSacral-Behandlung wiedererlebt,
sie hat das aber völlig verschieden bearbeitet: Sie hat ihr eigenes eigentliches
Denken und Fühlen nicht vergessen, sie hat diese Herzenskommunikation
behalten, dadurch auch über mehr Selbstbewußtsein in ihrem Leben
verfügt. Sie reagierte jedoch mit einer unglaublichen Wut, ein Häferl,
das leicht übergeht. Diese unterschwellige Wut war bis zur Bearbeitung
dieses Themas immer da, brach bei jedem passenden und oft auch unpassenden
Anlass hervor. Glücklicherweise war auch diese Reaktionsform weitgehend
auflösbar. Es zeigt nur, dass jeder Mensch auf ähnliche Traumata
ganz verschieden reagieren kann.
Ein anderes mehr körperliches Beispiel: Eine Frau hatte zwei Monate,
bevor sie zu mir kam, einen Radunfall. Seitdem litt sie an einem andauernden
Schwindelgefühl, das ihr schwer zu schaffen machte. Am Tisch vollzog
sie eine Bewegung, die sie dazu brachte, auf den angezogenen Knien kauernd,
zum Liegen zu kommen. Der Kopf vollführte eine Bewegung wie ein unsanftes
(am Tischl war es natürlich sanft, weil ich darauf achtete) mit der Stirn
auf die Unterlage Klopfen. Offensichtlich war das in etwa der Hergang des
Unfalls, weil im Moment, als sie mit dem Kopf unten ankam, setzte der craniosacrale
Rhythmus wieder ein und sie fühlte eine spürbare Erleichterung.
Der Schwindel war fast weg, sie konnte es kaum glauben. Nach weiteren zwei
strukturellen Behandlungen verschwand der Schwindel zur Gänze.
Eine tiefere Seelengeschichte betrifft einen Mann, der eigentlich hauptsächlich
aus Neugierde zu mir kam (für eine Tiefenbehandlung ist das keine so
gute Voraussetzung, ein bewusstes Problem führt eher zu einer Lösung).
Ich hielt meine Hände an seiner Stirne und es war sofort klar, daß
ein Prozeß begann. Ein heftiges Drängen und Drücken gegen
meine Hände wies darauf hin, daß es sich wahrscheinlich um das
Wiedererleben seiner Geburt handelte. So war es auch. Er erzählte
mir Details seiner Geburt, die ihm zuvor sicher nicht im vollen Umfang bewusst
waren. Seine Geburt war insofern problematisch, weil sein "ZurWeltKommen"
von Bomben-Alarm-Sirenen begleitet war (ein Kriegskind). Die Mutter musste
sich höchst beeilen, um dann schnellstens mit dem Kind in den Luftschutzkeller
zu gelangen. Jedenfalls war er gesund, die Begleitumstände seiner Geburt
schienen ihm später keinen Schaden verursacht zu haben. In solchen Fällen
versuche ich (ich bin ein mütterlicher Typ) diesen Erwachsenen wie ein
Baby in die Arme zu schließen und willkommen zu heißen auf dieser
Welt.
Die Überraschung für mich kam erst zwei Monate später, als
ich ihn wieder traf. Das Erlebnis war für ihn so prägend, daß
er das genaue Datum und die Uhrzeit der Behandlung immer im Kopf hatte.
Seine lebensentscheidende Veränderung war folgende: Sein gesamtes Leben
war von dem Thema geprägt "Ich muss mich beeilen", wie
jemand, der immer gerade den letzten Zug erwischen muss.
Ab unserer Sitzung war ihm aber so, als hätte er Zeit, ausreichend Zeit
zum Leben.
Ein
weiteres Beispiel betrifft eine junge Frau, die schon vorher einige Behandlungen
bekommen hatte. Eine verspannte Stelle ohne craniosacralem Rhythmus habe ich
am rechten Knöchel ausgemacht (ohne daß sie dort zuvor nennenswerte
Beschwerden verspürt hätte). Während der Behandlung wurde kein
Wort gesprochen. Ihr Körper vollzog eine leichte Krümmung und sie
weinte ein bißchen. Meine Hände waren die ganze Zeit an der betreffenden
Stelle. Dann war ganz deutlich zu spüren, wie sich diese Stelle entspannte
und weich wurde. Die Beine streckten sich wieder und ihr Gesicht blickte ganz
entspannt und offen. Der CranioSacrale Rhythmus setzte deutlich wieder ein.
Für mich war klar, die Behandlung ist beendet. Dennoch war ich einfach
neugierig. Ich fragte sie, ob sie mir etwas erzählen möchte, vielleicht
die Erkenntnis am Schluß.
"Ja", sagte sie, "Ich brauche nicht mehr kämpfen, ich
kann einfach SEIN".
